Die Fernwärme spielt in der Energiewende eine elementare Rolle, dennoch wird sie nicht immer positiv wahrgenommen. Akzeptanz basiert auf Kommunikation und Information und dieser Aufgabe stellen wir uns.

Fernwärme ist ein zentraler Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität. Sie ermöglicht es, eine große Menge an Gebäuden und ganzen Stadtteilen effizient und sicher mit nachhaltiger Wärme zu versorgen. Durch die intelligente Nutzung von Abwärme, erneuerbaren Energien und innovativen Technologien wird sie zur tragenden Säule einer dekarbonisierten Wärmeversorgung. Damit die Potenziale der Fernwärme vollständig ausgeschöpft werden können, braucht es unterstützende Rahmenbedingungen: Investitionssicherheit, langfristige Planungsperspektiven sowie Förderprogramme, die den Ausbau innovativer Wärmenetze und CO2-armer Erzeugungstechnologien beschleunigen. Gleichzeitig ist es entscheidend, Bürgerinnen und Bürger aktiv einzubinden und Vorurteile abzubauen. Nur mit einer hohen Akzeptanz in der Bevölkerung können die ambitionierten Klimaziele erreicht werden. Transparente Kommunikation und faktenbasierte Aufklärung spielen dabei eine Schlüsselrolle.


Versorger haben gesetzliche Veröffentlichungspflichten. Preisregelungen, Preisanpassungsklauseln und Preiskomponenten, sowie eindeutige Verweise auf die Quellen verwendeter Indizes und Preislisten müssen veröffentlicht werden. Jede Preisanpassung kann somit transparent vom Kunden nachvollzogen werden. Die Branche hat zusätzlich die Preistransparenzplattform initiiert, um die Transparenz gegenüber den Verbrauchern zu erhöhen.
Näheres unter www.waermepreise.info


Viele Missverständnisse rund um die Fernwärmepreise lassen sich oft auf den Zeitpunkt und den Zeitraum der jeweiligen Preisbetrachtung zurückführen. Denn: Es gibt bei der Fernwärme einen Zeitversatz. Preise für Erdgas und Heizöl werden tagesaktuell gehandelt und angepasst. Im Fernwärmesystem sind Momentaufnahmen oftmals wenig aussagekräftig. Verwendete Indizes in Preisgleitformeln bilden die Preisentwicklung der Vergangenheit ab. Im Umkehrschluss sind Preissteigerungen durch die Energiekrise bei der Fernwärme erst versetzt angekommen.


In bestehenden Verträgen kann der Versorger die Preise nicht willkürlich anpassen. Der Fernwärmepreis folgt den klaren gesetzlichen Regeln der AVBFernwärmeV. Diese sieht vor, dass die Preisentwicklung durch unabhängige Indizes wie vom Statistischen Bundesamt oder Börsennotierungen abgebildet werden kann. Steigen oder fallen die Indizes, passt sich der Preis an – ohne Einfluss des Versorgers. So bleiben Kosten für Kunden fair und der Betrieb wirtschaftlich.


Preisunterschiede in der Fernwärme sind kein Zeichen von Ungerechtigkeit, sondern oft eine Folge regionaler Besonderheiten. Da Wärme nicht über beliebig große Strecken transportiert werden kann, sind die Preise stark von den Gegebenheiten vor Ort abhängig. Infrastrukturkosten, lokale Energiequellen und unterschiedliche Versorgungssysteme beeinflussen die Preise somit stark. In dicht besiedelten Regionen mit gut ausgebauten Netzen sind die Preise häufig günstiger. In ländlichen Gebieten oder Regionen mit weniger entwickelter Infrastruktur können höhere Kosten entstehen. Ein bundesweiter Einheitspreis würde diese Unterschiede nicht gerecht abbilden – und könnte sogar neue Ungleichheiten schaffen.


Fernwärmepreise sind nicht pauschal zu hoch. Fernwärme ist ein fertiges Produkt: Im Preis enthalten ist nicht nur die Energie, sondern auch die Kosten für die gesamte Infrastruktur, Wartung und Investitionen in nachhaltige Technologien. Ein direkter Vergleich mit Rohstoffpreisen wie Öl oder Gas ist daher methodisch falsch. Wichtig ist ein umfassender Vergleich der Gesamtkosten (inklusive Investitionskosten) – nur so lässt sich die Fernwärme wirklich fair bewerten.


Fernwärmekunden sind ihrem Versorger in keinster Weise schutzlos ausgeliefert. Neben vertraglichen Regelungen und gesetzlichen Vorgaben (beispielweise AVBFernwärmeV) besteht die Möglichkeit, Streitigkeiten durch die Universalschlichtungsstelle außergerichtlich klären zu lassen. Diese unabhängige Instanz hilft, faire Lösungen zu finden und stärkt die Position der Verbraucher.


Ein staatlicher Preisdeckel in der Fernwärme mag auf den ersten Blick wie eine Entlastung wirken – doch er schützt Verbraucher nicht vor starken Preissprüngen. Ein Blick in die Niederlande zeigt: Trotz eines Preisdeckels stiegen dort die Fernwärmepreise 2023 drastisch, da sie an die Gaspreise gekoppelt sind. Zudem verhindert ein Preisdeckel nicht die langfristigen Kostensteigerungen, die durch steigende Energiepreise und notwendige Investitionen in die Netzinfrastruktur entstehen.