Warum ist die Wärmewende in Deutschland so dringend notwendig?
Der Sektor Wärme macht in Deutschland über 50 Prozent des bundesweiten Endenergiebedarfs aus und ist für etwa ein Drittel der deutschen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Zu dem Sektor zählen das Heizen von Wohn- und Gewerberäumen, die Bereitstellung von Warmwasser sowie Prozesswärme für die Industrie.
Im Gegensatz zu einem erneuerbaren Anteil von mehr als 54 Prozent am Strommix wurden in Deutschland 2024 erst etwa 18 Prozent des Gesamtwärmebedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt. Die restliche Wärme stammt zu einem großen Teil weiterhin aus fossilen Energieträgern. Es wird also deutlich, dass die Dekarbonisierung des Wärmesektors einen wichtigen Hebel, für die Erreichung der Klimaneutralitätsziele Deutschlands darstellt.
Warum ist gerade die Fernwärme jetzt so wichtig?
Die wichtigsten Studien zur Zukunft des Energiesystems kommen zu dem Ergebnis, dass Fernwärme eine der zentralen Lösungen darstellt, um die Dekarbonisierung des deutschen Wärmesektors voranzutreiben. Dafür gibt es mehrere Gründe:
Integration klimaneutraler Energiequellen: Fernwärmesysteme sind der Schlüssel, um erneuerbare Energien und Abwärme für die Beheizung überhaupt erst nutzbar zu machen. Sie ermöglichen die die Nutzung sowie die Kombination verschiedenster klimaneutraler Energiequellen, wie Tiefengeothermie, Solarthermie, Thermische Abfallbehandlung oder unvermeidbare Abwärme aus Industrie und Gewerbe.
Effizienz durch Skaleneffekte: Fernwärmesysteme ermöglichen die Nutzung der effizientesten Erzeugungstechnologien wie Großwärmepumpen oder Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, die weitaus effizienter arbeiten als viele einzelne Heizungen.
Zukunftssicherheit: Durch die Kombination verschiedener Erzeugungstechnologien sind Fernwärmekunden weniger von den Preisschwankungen einzelner fossiler Brennstoffe betroffen. Außerdem liegt die weitere Dekarbonisierung der Wärmeversorgung in der Hand der Fernwärmebetreiber, ohne dass Kunden weitere Schritte unternehmen müssen.
Dekarbonisierung in vollem Gange: Der klimaneutrale Anteil der Erzeugung mittels Fernwärmesystemen liegt mit 33 Prozent schon heute fast doppelt so hoch wie der des Gesamtwärmemarktes. Außerdem befinden sich deutsche Wärmenetze auf dem Weg der Dekarbonisierung. Die Betreiber von Fernwärmesystemen haben Transformationspläne erstellt, in denen sie konkret darstellen, mit welchen Maßnahmen sie das politisch vorgegebene Ziel der Klimaneutralität bis 2045 erreichen.
Große Hebelwirkung: Durch die Dekarbonisierung von Wärmenetzen kann eine große Hebelwirkung realisiert werden. Statt vieler kleiner Einzelmaßnahmen kann über ein Wärmenetz auf einen Schlag eine Vielzahl an Gebäuden dekarbonisiert werden. Gerade im urbanen Raum bietet diese Hebelwirkung enorme Vorteile für die Wärmewende.
Politische Weichenstellungen und gesetzliche Rahmenbedingungen
Auch die Bundesregierung sieht Fernwärme als tragende Säule der Wärmewende und hat daher mit der Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) ein Programm gestartet, um den Ausbau und die Transformation der Fernwärme zu fördern. Außerdem wurden mit dem Wärmeplanungsgesetz verbindliche Ziele für die Steigerung des Anteils klimaneutraler Wärmequellen und klare Vorgaben für neue Netze eingeführt.
Dekarbonisierungsziele für die Fernwärmebranche
| Ziel | Beschreibung |
|---|---|
| Ab 2024 | Für neue Wärmenetze wurde bereits seit dem 1. Januar 2024 ein Anteil von mindestens 65 Prozent verpflichtend. |
| Bis 2030 | Mindestens 30 Prozent der Wärmeerzeugung bestehender Wärmenetze muss aus erneuerbaren Energien und unvermeidbarer Abwärme stammen. |
| Bis 2040 | Etablierung von etwa 80 Prozent klimaneutraler Wärme in allen Fernwärmenetzen Deutschlands. |
| Bis 2045 | Klimaneutralität in der Wärmeversorgung – vollständiger Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. |
| Dekarbonisierungs-fahrpläne | Netzbetreiber müssen Dekarbonisierungsfahrspläne erstellen, die darlegen, wie sie die politisch gesetzten Ziele für 2030 und 2045 erreichen. |
Investitionsbedarf
Die Aktualisierung der Studie „Perspektive der Fernwärme“ aus dem Jahr 2024 nennt die Fernwärme als einen der zentralen Schlüssel für die urbane Wärmewende. Die Ergebnisse der Studie weisen einen Investitionsbedarf von 43,5 Mrd. Euro bis zum Jahr 2030 aus. Daraus ergibt sich ein jährlicher Betrag von etwa 6,2 Mrd. Euro, der in den Ausbau von Netzinfrastruktur und Erzeugungsanlagen der Fernwärme fließen muss. Bis zum Jahr 2045 kommen die Autoren der Studie dann auf einen Investitionsbedarf von weiteren 74 Mrd. Euro, wodurch sich ein Investitionsbetrag von knapp 5 Mrd. Euro pro Jahr ergibt.
| Zeitraum | Investitionsbedarf insgesamt | Investitionsbedarf pro Jahr |
|---|---|---|
| 2024 bis 2030 | 43,5 Mrd. € | 6,2 Mrd. € pro Jahr |
| 2030 bis 2045 | 74 Mrd. € | 5 Mrd. € pro Jahr |
Weiterführende Informationen:
Nähere Informationen zur Studie „Perspektive der Fernwärme“ finden sie hier.
